ANRUFUNG
ANRUFUNG 2025/2026
14 Figuren, 14 Mobiltelefone
ANRUFUNG I
18.10.2025 – 9.1.2026
SchauFenster, Waldstraße 24,
2070 Oberretzbach
ANRUFUNG II
17.5. – 31.12.2026
Kirche Maria Namen
Hasnerstraße 11
1160 Wien
Die Installation ist angeregt durch einen Essayband von Bodo Hell und thematisiert eine eher vergessene Form des Hilferufes – die Anrufung. Gerichtet wird diese meist an einen als Nothelfer verehrten Heiligen. Die vierzehn Nothelfer (der Regensburger Normalreihe) sind Achatius, Ägidius, Barbara, Blasius, Christophorus, Cyriacus, Dionysius, Erasmus, Eustachius, Georg, Katharina, Margareta, Pantaleon und Vitus. Allesamt sind sie Märtyrer, deren Zuständigkeiten wie Kopfschmerz, Seenot, Besessenheit oder Angst vor dem Tod weniger abstrakte Befindlichkeiten benennen als viel mehr Gefährdungen, die sich jeglicher Planbarkeit entziehen. Vierzehn Scheite Brennholz, mit stumpfer Kettensäge bearbeitet; Freilegungen von etwas, das im Kern bereits angelegt ist – dennoch nur Material, scheinbar ohne besondere Wirkung. Erst durch das Aufstellen, Anschauen, Benennen, Verehren, mit Bitten Befrachten oder mit Geld Aufwiegen scheint es sich zu verändern – nicht in seiner Substanz, aber in seinem Stellenwert und seiner Ausstrahlung. Vielleicht bezieht Kunst ihre Kraft erst aus der Dichte des Glaubens, der sich um sie akkumuliert und womöglich seit Generationen auflädt wie eine Batterie? Eine Aufladung, der man sich als empfindendes Wesen nur schwer entziehen kann.
Vierzehn Figuren, vierzehn Mobiltelefone – mit Mailbox und Ansage. Man kann anrufen und sagen, was drängt. Anruf, Anrufung – zwischen den beiden Begriffen liegt eine ganze Anthropologie des Vermittelten und des Unmittelbaren. Das Telefon setzt die Abwesenheit des Gegenübers voraus während die Anrufung um seine Gegenwart weiß. Was im Apparat als Signal verschwindet, bleibt in der geäußerten Bitte bestehen.
Mit Beiträgen von Tobias Artner, Thomas Exner, Mathias Forberg, Basil Heuer, Thomas Hölzenbein, Christophorus Huber, Jesús David Jaén Villalobos, Taner Sırrı Karataş, Johanna Orsini-Rosenberg, Bruno Pellandini, Hans Pollhammer, Gernot Schulz, Barbara Trattnig.
ANRUFUNG III
ANRUFUNG III/1-6 2026 Eingangsbereich Kirche Maria Namen, Fineprint auf Hahnemühle 10 × 15 cm
KI unterstützte Fotocollage
Anregung für die digitalen Collagen war ein Madonnen-Marterl an einer oberitalienischen Landstraße. Auf dem Bildstock, in fetten roten Lettern aufgepinselt, die Worte “MARIA AIUTAMI”.
Protest, politisches Statement, Streetart – alles schon gesehen, aber als Hilferuf und noch dazu auf Sakralbau war irgendwie neu und für einen Scherz die Aufschrift zu verzweifelt.
Wenn jetzt gerade religiöse Symbolik dazu verwendet wird, Macht und Autorität zu untermauern und weltliche Gewalt durch religiöse Rahmung zu legitimieren, erscheint plötzlich das Beispiel vom Marterl wie ein gesellschaftlicher Gegenpol: Sakralisierung der Gewalt von oben vs. verzweifelter religiöser Vandalismus von unten.
Religiöse Sprache als letztes Mittel – sechs Collagen als dystopische Miniaturen.
Achatius 0670 1972 623
Aegydius 0670 1974 866
Barbara 0670 1975 974
Basilius 0670 1995 926
Christophorus 0670 1971 689
Cyriacus 0670 1980 072
Dionysius 0670 1983 224
Erasmus 0670 1986 114
Eustachius 0670 1986 728
Georg 0670 1990 618
Katharina 0670 1995 398
Margareta 0670 1995 836
Pantaleon 0670 1997 328
Vitus 0670 1998 607